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Olga Petrova hat mit ROADMOVIE UKRAINE ein Porträt geschaffen, das die ukrainische Bevölkerung im Sommer 2014 zeigt. Quer durchs Land, quer durch die Generationen, Klassen und Regionen erzählen Interviews und Alltagsaufnahmen von den Hoffnungen und Träumen, aber auch von Traumata und Ängsten der Menschen. Ergänzt wird die filmische Reise durch stimmungsvolle Bilder von Städten und idyllischen Landschaften, die Petrova durchreist hat.

Zu Anfang werden Erfahrungsberichte Molotowcocktail werfender Revolutionärer mit Bildschirmaufnahmen des Konsolenspiels „Street Fighter“ gegenübergestellt. Dieses filmische Moment funktioniert. Leider verlieren sich derartige filmische Ansätze zunehmend und gehen in den hoffnungsvoll-strahlenden Gesichtern einer Sport treibenden Jugend unter.

In einem Hippen Café werden kritische Stimmen laut, die Regisseurin scheint aber nur halb zuzuhören.

Die ältere Generation bildet einen Kontrast. Sie zeigt sich überfordert. Der Verlust des Heimatlandes wird resignierend hingenommen. Es war einst geeint, jetzt ist es geteilt. „Hauptsache, du hast ein Zuhause gebaut“, so rät ein Familienvater dem Kameramann Lutz Jahnke, „dann bist du glücklich“.

„Gehen sie wählen?“, wird der Fischer eines Strandortes gefragt,  „Nein, solche Spiele spiele ich nicht“.

Ab und an erklingt dann doch eine wahrhaftige Stimme. Eine Frau sagt: „Wenn ich global überlege, wünsche ich mir, dass es keine Grenzen gibt“.

Leider sind solche prägnanten Aussagen nur Randerscheinungen einer Dramaturgie, die zu schnell in den immer wieder gleichen, beschwingten Musikkanon übergeht.

ROADMOVIE UKRAINE porträtiert vor allem Künstler*innen, Musiker*innen, Tänzer*innen und Sportler*innen in meist klassischer Ausbildung. Grotesk klingt das Zitat einer Rudertrainerin, die die harte Arbeit der jungen Sportler*innen mit kämpfenden Soldaten im Krieg gleichstellt. Das Bild sonnengebräunter Athlet*innen, die im Naturparadies um Medaillen ringen will sich nicht so Recht in diese Analogie fügen.

Olga Petrova, gebürtige Ukrainerin, die heute in Deutschland lebt, bezeichnet ihre Motivation als egoistisch.

Sie will ihr Land und ihre Landsleute unterstützen und ihnen Hoffnung bringen. Der Hilflosigkeit, von Deutschland aus nichts ausrichten zu können, sowie der Verarbeitung ihrer Betroffenheit möchte sie eine filmische Stimme geben.

Ihr wohlwollendes Bild der Ukraine erscheint zunehmend einseitig zu werden. Die anfängliche Auseinandersetzung kommt ins Stocken. Viel Licht, wenig Schatten. So wäre es wünschenswert gewesen, den kritischen und negativen Betrachtungen mehr Raum zu geben, um die Stärke und Kraft der Hoffnung wertschätzen zu können.

Denn die junge Generation, im Film wirksam in Szene gesetzt, übermittelt ein Lebensgefühl von Freiheit und Beschwingtheit. Sie macht Lust auf ein Land, das sich in den letzten Jahren so hart und verletzt zeigen musste. Doch die omnipräsente Musik als Stimmungsbringer, die manipulativ schönen und glatten Bilder, die sich vor den authentischen Umständen im Land verschließen, ergeben ein Feel-Good Movie, das dem Publikum nur eine, zu schöne, Sichtweise vorgibt.

Franziska Wank

Zu sehen als Teil der Langfilme außerhalb des Wettbewerbs beim 9. LICHTER Filmfest Frankfurt International