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Die Thematik der Androiden, humanoiden Robotern, ist seit langem fester Bestandteil von Literatur und Film und hat in The Trouble with Being Born den Weg aus der klassischen Science-Fiction in das Drama gewagt. Werke, die sich mit Androiden und künstlicher Intelligenz auseinandersetzen, entwerfen sonst eher eine Welt in einer dystopischen Zukunft, in der die künstlichen Menschen in Form von Sklaven oder gar als eine neue Stufe der menschlichen Evolution existieren. Derartige Geschichten über Androiden werden daher von Fragen nach der Existenz eines Bewusstseins und einer Seele begleitet – genau jene Eigenschaften, die laut der meisten Auffassungen einen Menschen menschlich machen. In ihrem zweite Langfilm wählt die österreichische Regisseurin Sandra Wollner einen etwas anderen Ansatz. Die Thematisierung von Menschlichkeit in einem künstlichen Gefäß wird hier aus einer fremden Perspektive erlebbar gemacht, wodurch sich der Film von bisherigen Werken unterscheidet.

Es ist sonnig. Ein junges Mädchen (Lena Watson) und ein Mann (Dominik Warta) genießen den Tag am Schwimmbecken, das Teil eines an einem idyllischen Waldrand gelegenen Anwesens ist. Die harmonische Stimmung weicht jedoch einer unangenehmen Vorahnung, als sich andeutet, dass Elli, ein künstliches Replikat der Tochter des Mannes, und eben dieser in einem Verhältnis zueinander stehen, das weitaus mehr als eine bloße Vater-Tochter- Beziehung ist. Als Elli eines Tages wegläuft, wird sie von einem anderen Mann gefunden, der sie zu seiner Mutter (Ingrid Burkhard) bringt, die in einem Hochhausviertel lebt. Dort lebt sie zunächst als Elli weiter, wird auf den Wunsch der Frau jedoch kurz darauf zum Replikat ihres seit 60 Jahren verstorbenen Bruders Emil umprogrammiert.

In The Trouble with Being Born wirkt der Android auf den ersten Blick bloß wie eine künstliche Manifestation der Wünsche und Bedürfnisse seiner Verwender*innen. Die Figur der Elli wird dabei zu einer Figur, deren Existenz immer wieder hinterfragt wird. Damit thematisiert The Trouble with Being Born unterschiedliche Problematiken, mit denen sich schon Filme wie Blade Runner und Serien wie Black Mirror befasst haben. Die philosophischen Fragen – wie der Umgang mit dem Androiden bewertet werden sollte und inwieweit man Unfreiheit und Kontrolle diskutieren kann – verbinden sich im Film mit der Wahl eines Androiden in Form eines Kindes, wodurch The Trouble with Being Born einen sehr interessanten Ansatz entwickelt. Der Film kombiniert die maschinellen Eigenschaften des Androiden mit psychischen Komponenten, bei denen das Stadium der Kindheit als eine entscheidende Rolle inszeniert wird.

Durch die aktive Installation des Androiden mit den Erinnerungen der Verwender*innen, und im Besonderen mit den Erinnerungen des Mannes an sein verschollenes Kind, wird der Android zu einer Art passivem Gefäß, das seinen Installateur*innen als ein Objekt zum Trost dienen soll. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit die Identität eines Menschen nicht genauso eine Summe von Erfahrungen ist wie die „Identität“ von Elli eine Summe von Programmierungen ist. Deshalb wird der Film besonders spannend, als der Android Emil mit seiner ehemaligen Form Elli konfrontiert wird und sein Verhalten Züge seiner ehemaligen Programmierung hervorbringt Die Perspektive, aus der der Film erzählt, ist zunächst eher schwierig zu begreifen. Durch das Voice-Over und Nahaufnahmen des Androiden wird der Blick immer wieder auf diesen gerichtet, es bleibt aber dennoch eine gewisse emotionale Distanz. Dabei tragen das künstliche Äußere und die Emotionslosigkeit des Automaten selbst zu einer Verfremdung mit unheimlichem Beigeschmack bei. Auch die anderen Figuren, die ihre unverarbeiteten Verluste mithilfe des Androiden zu kompensieren versuchen, strahlen eine gewisse Kälte aus, die durch die geringe Farbsättigung noch stärker hervortritt. Die Traurigkeit, die die Figuren im Film empfinden, wird dabei immer wieder von ihrer erdrückenden Einsamkeit überlagert.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Handlung in The Trouble with Being Born weniger von bestimmten Figuren getragen wird, der Film aber umso mehr durch seine visuelle und akustische Erzählweise glänzt. Dabei nimmt sich der Film viel Zeit für die Exposition, wodurch er zu Beginn zäh und leicht mühselig erscheint. Im Gegensatz zu seiner Exposition ist sein Ende aber zu komprimiert, da der gegen Ende aufkommende Konflikt nicht weiterverfolgt wird, wodurch der Film sein Potenzial nicht vollends ausschöpft. Deshalb erschleicht einem beim Schauen das Gefühl, dass dem Film eine etwas kompaktere Laufzeit und thematisch ein größerer Fokus auf das letzte Drittel gutgetan hätte.

Reviewed by: Madita Graf