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Die schwarze Komödie THE ONE-EYED KING erzählt die Geschichte der dramatischen Begegnung zweier Paare und deren Folgen. Zwei Freundinnen haben sich seit der Schulzeit nicht mehr gesehen und beschließen, sich nach sechs Jahren zu einem gemeinsamen Abendessen mit ihren Partnern zu verabreden. Der Regisseur Marc Crehuet erschafft Szenen voller unfreiwilliger Komik, zum Beispiel, wenn die naive Lydia (Betsy Túrnez) von nichts anderem redet als von ihren Kochideen, David (Alain Hernández) allerdings von seinem Arbeitsalltag, und jeder an dem anderen vorbei. Oder wenn er Sandra (Ruth Llopis) und Ignesia (Miki Esparbé) noch vor dem Betreten der Wohnung vor der Tür über ihr Sexualleben diskutieren lässt und wir Lydia im Inneren der Wohnung betreten lauschend vor der Tür beobachten können.

Der Abend entwickelt sich unerfreulich, als die Sprache auf die Arbeit von Polizisten kommt und Ignesia realisiert, dass er der Person gegenüber sitzt, die ihm während einer Demonstration wohl ein Auge ausgeschossen hat. Seither muss er mit einer Augenklappe durch die Welt gehen: er ist „der einäugige König“. Wie in Schockstarre blickt er David voller Angst ins Gesicht, unfähig sich zu bewegen. Die Tischgesellschaft geht bald auseinander, doch ihre Wege werden sich wieder kreuzen. Lydia macht eine Wandlung durch („Now I’m opening“) und trennt sich von dem plumpen David, da er kein Bedauern fühlt und nichts Falsches in seiner Tat erkennt. Dieser bittet Ignesia darauf hin um Hilfe, worauf Sandra die Idee hat, aus David einen besseren Menschen zu machen und ihm die Fähigkeit zur Reflexion zu vermitteln. Aber die Umerziehung hat unerwartete Folgen: David überrascht Ignesia in seiner Wohnung kurzer Hand und sehr unvermittelt mit dem entführten Agrarminister.

THE ONE-EYED KING ist die Verfilmung eines von Marc Crehuet selbst geschriebenen Theaterstücks. Besonders die Transformation der letzten Szene in filmische Bilder überrascht: ließ er die Figur des David im Theaterstück auf einem Sitz im Publikum Platz nehmen, auf den dann der alleinige Lichtspot gesetzt wurde, so lässt Crehuet David im Film die vierte Wand durch das direkte Anspielen der Zuschauer*innen durchbrechen. Die Vergangenheit als Theaterstück merkt man dem Film an: THE ONE-EYED KING wirkt kammerspielartig – die meisten Szenen finden in einem Raum von Lydias und Davids Wohnung statt. Dort nimmt das Geschehen seinen Lauf.

Drei der vier Hauptfiguren entlieh der Regisseur darüber hinaus dem Stab seiner TV-Serie POP RÀPID, einer Sitcom in einer Bar. In irrwitzigen Szenen zeigt uns Crehuet die Komik des Aufeinandertreffens von Menschen mit grundverschiedenen Lebenswelten und Vorstellungen. Darüber hinaus beweist der Film auch Momente der weisen Ernsthaftigkeit, wenn David über Ignesia sagt: „He has just one eye, but he sees more than other people.“ Ebenfalls hervorzuheben ist die Charakterzeichnung. Alain Hernández begeisterte mich in der Darstellung des plumpen David, die Tiefe zeigt, und Miki Esparbé gelingt es eindrücklich, die anfängliche Verstörtheit von Ignesia darzustellen, den dann der gute Wille leitet. Um den Regisseur zu zitieren: „The movie is about ideas confronting itself, through characters.“ THE ONE-EYED KING für mich einer der facettenreichsten Filme des Festivals.

von Carolin Hartmann

Gesehen beim LICHTER Filmfest Frankfurt International als Teil des internationalen Wettbewerbs zum Thema „Wahrheit“.