oray
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Hektisch kritzle ich im Festivalprogramm umher. Zu viel Gutes! Wie ein Wanderer suche ich nach dem besten Weg, um möglichst viele Sichtweisen auf unsere Welt wahrnehmen zu können.

Zum zwölften Mal erstreckt sich das Lichter Filmfest über die Frankfurter Kinos. Während das diesjährige Thema Natur im Fokus steht, ist das Programm auch sonst breit gefächert. Alles vom singapurischen Genre-Thriller bis hin zur deutschen Landsehnsucht-Dokumentation findet hier sein Publikum.

Durch die über die Mainmetropole verteilten Vorführungsorte war das ins Kino Gehen an sich schon ein Festivalerlebnis. Auch die Nicht-Frankfurter von uns hatten spätestens jetzt ein umfangreiches Bild von den zentralen Stadtteilen. Am Ziel angekommen, erwartete uns Zuschauer nicht nur Film, sondern auch ein jeweils einzigartiger Kinocharakter.

So schaute man im heimeligen Mal Seh’n die Gedächtnisdoku Memory Games, während das makellose Kino im Filmmuseum der unglaublich hochwertigen Bildfolge von Viktor Kossakovskys’ Dokumentarepos „Aquarela“ mehr als gerecht wurde.

Festivalambiente herrschte besonders im eigens aufgebauten Kino der rustikalen Naxoshalle und im gänzlich überfüllten Foyer des Harmoniekinos vor dem in Frankfurt gefilmten Genre-Thriller Atlas.

Verantwortlich für die Organisation des Festivals sind Gregor Maria Schubert und Johanna Süß. Seit 2008 bemühen Sie sich Jahr für Jahr nicht nur um Fördergelder und Sponsoren, sondern auch um ein gleichermaßen regionales & internationales Programm. Wichtig ist es ihnen vor allem die Filmkunst ins Rampenlicht zu stellen, die im Kino und Fernsehen zu kurz kommt. Die in diesem Kontext relevante Frage nach der Zukunft des deutschen Filmes, steht ebenfalls im Fokus der Veranstaltung.

An dieser Stelle enttäuscht uns das Programm nicht und bietet uns einen umfangreichen Blick abseits der unzähligen Tatorte und Komödien.

Neben genauso unterschiedlichen, wie sehenswerten Filmen wie „Oray“ und „Von Bienen und Blumen“ sind auch Susanne Heinrich, Max Gleschinski und Max Linz im Kinoprogramm vertreten.

Im Tor Art Space diskutieren die drei jungen Regisseure zudem auf dem Podium zum besagten Thema. Auch wenn der Hintergrund und die Herangehensweise ihrer Filme jeweils eine sehr unterschiedliche ist, sind sie sich einig: gefördert wird das Projekt mit dem höchsten “Marktpotential”. Ihrer Meinung nach ist das Problem die Ökonomisierung des Filmemachens. Vertreten in der Politik, die letztlich für den Großteil der Fördergelder zuständig ist, sehen sie sich nicht. Die Ausgangssituation führe dazu, dass vorwiegend die Filme gefördert werden, die sich dem Mainstream fügen. Gleichzeitig sei die Umsetzung eines künstlerischen Projektes nur möglich, wenn die ohnehin unterbezahlten Verantwortlichen nicht nur die Regie, sondern auch die Selbstvermarktung übernähmen.

Insgesamt hat das mich das Format Filmfest sehr begeistert. Durch die Filme, aber besonders auch durch die Menschen dahinter, findet das zusammen, was uns sonst in die entferntesten Ecken unserer Erde treibt. Begeistert war ich insbesondere auch vom Lichter Filmfest, wegen seines Fokus auf all das, was sonst so oft auf der Strecke bleibt. Denn auch, wenn ich von mir behaupten würde, dass ich in punkto Film gut informiert bin, waren mir die wenigsten Titel bekannt. Genauso schön, wie es ist, so viel Neues sehen zu dürfen, so schade ist es auch. Denn ohne das Festival hätte ich viele dieser Titel wohl nicht gesehen.

Zudem ist genau die Schwelle zwischen Film und Kunst, an der sich das Lichter-Filmfest bewegt, eine besondere. Denn oft ist es genau hier, wo wir neue, noch fremde Perspektiven einnehmen dürfen. Und auch, wenn das Festival nun zu Ende ist, beginnen unsere individuellen Reflexionen erst. Letztlich hoffe ich, dass die Filme nicht nur hier begeistert haben, sondern zudem einen Weg finden, auch nach der Leinwand weiterzuleben. Denn sehenswert sind sie allemal.