Gaza Surf Club
©Little Bridge Pictures _Niclas Reed Middleton
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Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, man hört Wellenrauschen. Eine junge Frau steht am Meer, sie trägt einen Neoprenanzug und bereitet sich auf das Surfen vor. Eine vermeintlich mehr oder weniger normale Szene, die man an vielen Stränden beobachten könnte. Einen Unterschied gibt es jedoch: Die junge Frau trägt ein Kopftuch. Die fünfzehnjährige Sabah lebt im Gaza-Streifen und hat schon früh das Surfen gelernt, je älter sie jedoch wird, desto weniger darf sie das tun: Sich in einem engen Sportanzug auf ein Brett zu stellen und Wellen zu reiten entspricht in ihrem Land nicht dem, was eine “ehrenvolle” Frau tun sollte.

Täglich erreichen uns unzählige Meldungen zu Gewalt und Kriegen, die in der Welt passieren. Oft hört man von Medienberichten nur Opferzahlen, manchmal werden auch die verursachten Schäden gezeigt. Philip Gnadt und Mickey Yamine zeigen in ihrem Film GAZA SURF CLUB, der morgen in den deutschen Kinos anläuft, eine andere Seite des Gaza-Streifens: Die Schicksale von Jugendlichen, die genug vom Krieg haben und denen das Surfen Hoffnung gibt.

Hier steht vor allem Ibrahim im Vordergrund. Er ist wie Sabah leidenschaftlicher Surfer und möchte einen Club für diesen Sport eröffnen, den Gaza Surf Club. Den Namen hat er von seinem langjährigem Freund Matthew, den er einst in Gaza kennenlernte und der mittlerweile in die USA zurückgekehrt ist. Dort, auf Hawaii, möchte Ibrahim ihn für ein Praktikum in einer Surfbrettwerkstatt besuchen – wenn er denn ein Visum bekommt. Doch die ältere Generation in Gaza hat wenig Hoffnung: Die Isolation in der ehemaligen Besatzungszone ist bedrückend, die Situation scheint ausweglos und wenige erhoffen sich, Gaza einmal verlassen zu können.

Bevor Sabah ins Wasser steigt, nimmt sie ihr Kopftuch ab, als sie aus dem Wasser kommt, bindet sie es sich wieder um: Mit aussagekräftigen Bildern erzählen Gnadt und Yamine dokumentarisch die Geschichte von Jugendlichen, die nach Abwechslung und Normalität suchen und geben ihnen damit eine Stimme. Das Publikum darf hierbei allerdings nicht vergessen, dass die Regisseure aussuchten, wen sie sprechen lassen und wird auch bald bemerken, dass der Soundtrack an vielen Stellen die Stimmung vorgibt.

Mit GAZA SURF CLUB ist es Philip Gnadt und Mickey Yamine gelungen, einem westlichen Publikum den Alltag im Gaza-Streifen näher zu bringen. Der Film vermittelt, dass in einem Land, in dem schon seit vielen Jahren Krieg herrscht, das Leben trotz allem weiter geht und Menschen versuchen, ihre Träume zu verwirklichen.

von Katharina Popp

GAZA SURF CLUB läuft in der neuen Reihe Zukunft Deutscher Film beim
10. LICHTER Filmfest Frankfurt International
am Freitag, den 31.03.2017 um 20:00Uhr im Mal Seh’n Kino, Frankfurt

GAZA SURF CLUB läuft am Donnerstag, den 30.03.2017 bundesweit in 12 Kinos in 10 deutschen Städten an.
Weitere Infos und den Trailer zum Film finden Sie: Hier.