the waiting room
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Ein Auto steht aufgebockt in einem Filmstudio. Es ist ein älteres Modell, osteuropäisches Fabrikat; nicht leicht aufzutreiben gewesen, wird Jasmin (Jasmin Geljo) später vom Regisseur (Jordan Barker) zu hören bekommen, als er ein privates Interesse an dem Wagen bekundet. Jasmin fährt gerne Auto, meist in seinem silbernen Volvo; die Innenräume der Fahrzeuge bieten eine der vorwiegenden Kulissen im Film von Igor Drijača. Sein Loft finanziert Jasmin als Schauspieler; ein kleiner Fisch, der sich mit Nebenrollen über Wasser hält. Vor zwanzig Jahren hatte er seine bosnische Heimat verlassen, um mit seiner inzwischen an Krebs erkrankten und verflossenen Partnerin ein Kind im kanadischen Exil aufzuziehen.

Dieses Kind, mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsen, taucht immer wieder neben Jasmin im Auto auf, verhält sich wie ein rebellischer Teenager und zeigt dem Vater sein eigenes Fehlverhalten auf, etwa seinen Hang zum Egoismus. Währenddessen ist die zugehörige Mutter ans Bett gefesselt und vegetiert vor sich hin. Die konkreten Zusammenhänge ergeben sich erst gegen Ende des Films, wenn Jasmin und seine ehemalige Partnerin das Gespräch über die Vergangenheit suchen. Dies führt dazu, dass die Handlungsstränge, die zuvor oftmals diffus wirkten, mit einem Mal an Struktur gewinnen. Jasmin möchte in die bosnische Heimat reisen; Schwester und Vater besuchen, ein Filmprojekt verwirklichen.

Angesprochen auf den Tag seiner Abreise, murmelt er zunächst etwas von einem Montag, daraus wird wenig später Dienstag, ehe er von Donnerstag spricht. Zwar hat Jasmin sich in Kanada eine Familie aufgebaut, hat eine Frau und einen Sohn, doch er spürt, dass die Verantwortung, die in seiner Heimat auf ihn wartet, eine andere Beschaffenheit aufweist als jene, die er bereits zu tragen hätte. Er wird heimkehren und Frieden in sein Land bringen, schildert er einem One Night Stand. Abwarten.

Yannick Suchwallo

THE WAITING ROOM lief im Wettbewerb des goEast Film Festival 2016.