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[1] Ich habe noch nie mit anderen zusammen geschrieben. Ist nicht leicht, aber es soll ja ein kollektiver Festivalbericht werden. Was haben wir erlebt? Wie bringen wir unsere Stimmen zusammen? Das wird sicherlich nichts. Ein Mischmasch, ein Brei, ein Irgendwas. Gut gemeint – aber… Aber versuchen wir’s.

 

[2] Das Essen war schon mal gut – das ist eine nicht ganz unwichtige Beobachtung. Satte Kritiker sind gütige Kritiker, Regisseure, die sich einer Fragerunde stellen, reagieren entspannter auf fiese Fragen, wenn ihr Mägen damit beschäftigt sind, ein fettiges Stück Lasagne zu verdauen.

 

[3] Beim Eröffnungsfilm gab’s nichts zu essen, vielleicht war die Caligari Filmbühne deshalb fast leer. Ihr habt einen wirklich tollen Film verpasst, Spießbadener! Selbst schuld. Aber wir wollen uns ja auch keine Feinde machen, immerhin sind wir im Workshop hier als Parasiten unterwegs: kostenloses Essen, Filme und Wissensvermittlung. Und Sekt*.

 

[4] Well, duh. Go(F)east. Meating and meeting. (*disclaimer, Slavin hier, nicht alle greifen nach einem Kadaver). Aber ja, mit vollem Mund kann man nicht lästern (und ist sowieso unmöglich, wenn man von verbalen Landminen umgeben ist – BOOM. Jeder kann jede Sprache).

 

[5] Jeder kann jede Sprache…. well, das konnte ich nicht raushören. Willkommen zum “Festival des mittel- und ostdeutschen Films”?! Echt jetzt? Als Schirmherr der Veranstaltung sollte man schon wissen welche Veranstaltung man da in den höchsten Tönen lobt. Oder? Über die Besucherflaute des Eröffnungsfilms von vermeintlichen „Kulturfans“ will ich ganz ich erst sprechen. Oder doch?

 

[6] Erschreckenderweise musste ich nach über zwei Stunden Talk feststellen, dass sich der gefüllte Kinosaal auf einmal leerte. Genau für den Eröffnungsfilm, worauf vor allem ich wartete. Das hatte ich bisher bei noch keinem Filmfestival erlebt. Man geht zu der Eröffnung und freut sich doch nach der Einführung und den Danksagungen auf den Film. Denn schließlich geht es doch eigentlich bei einem Filmfestival genau darum. Aber nein, social networking ist dann vielleicht doch mehr der Mittelpunkt des Geschehens.

 

[7] Same procedure as last year. Wieder hier. Wieder bei goEast. Doch diesmal – haha – als Teilnehmerin! Ausweis. Tasche. Wunderbar. Und Essensgutscheine – aber nur so lange der Vorrat… ääh… der Workshop geht. Nun gut. Mahlzeit okay. Filme besser. Die Auswahl dieser Filme ist so vielfältig, wie ärgerlich. Wo geht man zuerst rein? Was lässt man sein? Verzögerungen. Technische Patzer. Passiert. Alles gut. Gaby begrüßt zum Wettbewerb und zur Oppose Othering!-Filmvorführung. Eine wichtige Sektion. Die Auswahl mancher Filme im gesamten Programm erscheint trotzdem fragwürdig. Was wollten die FilmemacherInnen damit sagen? Leider keine Zeit für die Gespräche abends, dafür ab zur Party! Was?! Eintritt für mich? Und dann auch noch die Preise für Cocktails! Nun gut.

 

[8] Dafür gute Musik. Und coole Menschen – Wiederholungstäter und Festival-Neulinge tummeln sich an der Bar. Networking muss halt eben doch sein. Auch wenn der „Kulturgedanke“ dabei das ein ums andere mal vielleicht ein bisschen zu kurz kommt. Dafür fließt der Wodka in Shot-Strömen. Lange Abende und durchzechte Nächte, das muss eben auch sein. Das ist eben Festival. Und am nächsten Morgen geht’s hier wieder weiter – in unserem kleinen Raum mit nur zwei kleinen Fenstern. Aber dafür haben wir ja Sekt*. Und Wein. Und neue Filmkritiken. Und Hunger – was gibt’s heute eigentlich zu essen?

 

[9] Also ich weiß ja nicht genau worüber die anderen genau reden, die meisten sind eh komplett durch (ich eingeschlossen), und wir hören 80er-Mucke**. Das Festival war meiner Meinung nach super ertragreich, weil ich Filme über alle Geschmacksgrenzen hinaus erleben durfte, ich hab sogar meine Müdigkeits- und Overload-Comfort Zone verlassen, um mich in die Auswahl zu stürzen, weil: liebevoll UND for free für uns – das wurde zwar schon erwähnt, kann aber meiner Meinung nach nicht genug betont werden. Was ich eigentlich hiermit bestätigen will, ist das so ein kollektiver Text eine klasse Idee ist, aber am Ende wohl total dada wirkt. Was eigentlich ganz geil ist.

 

Ein kollektiver Festivalbericht vom letzten Tag des Workshops der Kritik – zwar nicht nach dem Dada-Prinzip (alle hatten die Möglichkeit, die vorangegangenen Beiträge zu lesen und darauf einzugehen) verfasst – aber dennoch zusammen geschrieben.

Die Autorinnen und Autoren (in alphabetischer Reihenfolge):

Britta Rotsch, Emeli Glaser, Friederike Mertes, Handan Zeylan, Irene Brischkowski, Ivana Mitrić, Lennardt Loß, Thomas Robak, Toby Ashraf

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Anm. d. Redaktion:
* Sekt und Wein gab es nur zur finalen Sitzung des Workshops am Sonntagvormittag.
** Bei der Musikauswahl handelte es sich keinesfalls nur um Musik aus den 1980er-Jahren. Es wurden auch die 90er, 2000er und das Beste von heute gespielt (ebenfalls nur am letzten Tag).