FILTHY Still
(c) bfilm
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Es gibt keine Kanalisation, in die man das Trauma aus dem Leib wie einen Eimer voller brodelnder Schmutzblasen und dunkler Brocken ausschütten kann. Und wie sieht dann der seelische Bodensatz einer empfindlichen jungen Frau aus, wenn die Gräueltat einer Vergewaltigung an ihr verübt wird? Der Film FILTHY behandelt das immer schwierige Thema dieser Atrozität, oder konkreter, zoomt an die innere Verarbeitung des tragischen Vorfalls durch das Opfer heran, vor dem Hintergrund einer Umgebung, deren Hilfe, wenn überhaupt geboten, falsch ist.

Genauso schnell wie die Situation mit Lenas Mathelehrer von einem harmlosen Nebeneinandersitzen zum grausamen Quietschen des Bettes mit Verkrampfen hilfloser Hände eskaliert, folgen wir der Entfaltung einer schlechten Behandlung bis zur äußersten Stille des inneren Tumults. Von einer Pille “Großzügigkeit”, über außer Kontrolle geratene Gruppen(un)therapien bis hin zum beruhigenden Streicheln des Gesichts durch einen weißen Handschuh, der Lena den das Gedächtnis verödenden, leere Blicke auslösenden Strom durch das Gehirn jagen wird. Einem fallen momentan die grausamen Elektroschockszenen aus REQUIEM FOR A DREAM ein. Seltsamerweise, gerade sind manchmal solche Bestrebungen einer Wirklichkeitsakzentuierung das, was den Film des Wirklichkeitsgefühls beraubt.

Doch die ungezügelten jungen Zungen, die sich durch das Knuspern der Medikament-induzierten, Hunger stillenden Schokolade und durch das Lachen über Selbstmord eine menschliche Verbindung aufbauen, verleihen dem Film Realitätstöne. Vor allem sind es die Akkorde der Isolierung und des Schmerzes, die Dominika Zeleníková als Lena glaubhaft in einem wohlgestalteten Visuellen alleine trägt.

Ungeachtet einiger Implausibilitäten oder Forcierungen in den Handlungslinien, wie die endende Ausübung der Rache, gelingt es dem Film das Prekäre und das Dunkel eines Opfers ans Licht zu bringen und auf die tragische Auslöschung der Grenzen, in denen Vergewaltigung passiert, zu verweisen.

von Ivana Mitrić

ŠPINA (FILTHY) läuft beim 17. GoEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films im Wettbewerb.

Termine:
Sonntag, 30.04.2017, 18:30 Uhr in der Caligari FilmBühne, Wiesbaden
Montag, 01.05.2017, 16:00 Uhr im Apollo Kinocenter, Wiesbaden
Montag, 01.05.2017, 18:00 Uhr im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt