FILTHY Still (c) bpics
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Lena ist 17, sie hat nicht wirklich Lust auf die Schule und spricht lieber mit ihrer besten Freundin Roza über Penisse und Geschlechtsverkehr – zumindest wie so etwas sein könnte. Das Verhältnis zu ihrer Familie wirkt entfremdet, sie verstehen sich nicht wirklich, streiten. Die Einweisung in eine psyichatrische Anstalt nach ihrem Selbstmordversuch scheint dies zu bestätigen. Dort bekommt Lena viele Medikamente und wird von MitpatientInnen aufgrund ihres Schweigens gehänselt. Niemand weiß warum sie hier ist. Nur in Iva findet sie für einige Zeit eine Freundin in dem tristen Klinikalltag. Nach einer Elektroschocktherapie wird Lena entlassen. Es dauert sehr lange bis die Vergewaltigung durch einen Lehrer ans Licht kommt.

Regisseurin Tereza Nvotová erzählt ein bestürzendes, entschleunigtes Drama vom Gefühl der Unverstandenheit zwischen Eltern und Jugendlichen sowie der Ohnmacht einer jungen Frau an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Den Titel FILTHY – zu deutsch schmutzig – kann man als Metapher für den sexuellen Schwebezustand zum Erwachsenwerden verstehen, auf die verdreckte ArchITektur der Anstalt beziehen und auf die schäbige Behandlung von psychisch labilen Menschen anwenden. Überall findet sich Dreck. Die Kamera ist dicht an der Hauptfigur und führt die ZuschauerInnen in kühlen Bildern in eine unreine, ungesunde Welt. Der Ausweg aus dieser Schweigespirale ist die Konfrontation mit dem Erlebnis, der Ausbruch aus der passiven, schwachen Opferrolle.

Einen Weg den Lena konsequent alleine gehen muss, denn ihre unfähige Mutter und der scheinbar nicht vorhandene Vater beschäftigen sich nicht weiter mit dem Trauma ihrer Tochter. Bis zum Ende kämpft Lena um Gehör und stellt schließlich ihren Peiniger zur Rede. Das tschechisch-slowakische Spielfilmdebüt zeigt eine desolate Welt auf, in der die Familie und das Pflegesystem an Unmenschlichkeit krankt. Hauptdarstellerin Dominika Moráková gelingt eine überzeugende Gradwanderung zwischen Apathie und Willenskraft. Im Film werden zwar Tabuthemen angesprochen, es wird aber zugleich mit der Erwartungshaltung gebrochen, die das Publikum an sie stellt. Man weiß nicht genau, wohin FILTHY führen wird. Aber genau das ist es, was ihn so intensiv macht.

von Irene Brischkowski

ŠPINA (FILTHY) läuft beim 17. GoEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films im Wettbewerb.

Termine:
Sonntag, 30.04.2017, 18:30 Uhr in der Caligari FilmBühne, Wiesbaden
Montag, 01.05.2017, 16:00 Uhr im Apollo Kinocenter, Wiesbaden
Montag, 01.05.2017, 18:00 Uhr im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt