(c) GoEast Festival
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In THE ANCIENT WOODS lässt Regisseur Mindaugas Survilla die Zivilisation hinter sich zurück. In langen, schwelgenden Einstellungen wird das Leben der Flora und Fauna in einem dichten Wald in dokumentarischer Form dargestellt. Dies geschieht ohne die Zuhilfenahme eines Kommentars. Sowohl ein Off-Sprecher als auch Titeleinblendungen sind hier nicht anzutreffen. Was vorherrscht ist Stille, jedoch nur für einen Moment. Hört man genauer hin, erkennt man, dass die Tonebene voller Leben steckt. Vogelgezwitscher, das Summen von Insekten, das Knacken von Ästen oder das Plätschern des Regens. Den Einfluss des Menschen kann man hier nicht hören, Industrialisierung und Urbanisierung scheinen diesen „Ancient Woods“ fremd. Die wenigen im Film zu sehenden vom Menschen errichtete Gebäude scheinen vom Wald vereinnahmt worden zu sein und nun zu ihm dazuzugehören.

Taucht der Mensch dann doch einmal persönlich auf, wirkt er wie ein Fremdkörper, was durch die Inszenierung verdeutlicht wird. Statt den statischen Einstellungen und ruhigen, langsamen Kamerafahrten, mit der Flora und Fauna dargestellt werden, werden die Menschen oft mit handgeführter, wackliger Kamera begleitet. Im Kontext des übrigen Films wirkt dies hektisch und bringt eine Unruhe in die alten Wälder. Und doch ist der Umgang der gezeigten Menschen mit dem Wald und seinen Bewohnern ein respektvoller. Der Mensch scheint sich hier in das sensible Geflecht der Natur einzufügen.

THE ANCIENT WOODS ist eine Meditation über das harmonische Zusammenleben im Ökosystem des Waldes. Hier liegt aber auch ein deutlicher Kritikpunkt am Film. Um dieses harmonische Zusammenleben zu finden muss der zumeist invasive und destruktive Umgang des Menschen mit der Natur ausgeblendet werden. Zwar kann man die hier dargestellte Harmonie zwischen Mensch und Natur bestimmt noch finden, die Realität sieht jedoch generell nicht so friedlich aus.

Genau das kann jedoch auch das Anliegen des Regisseurs sein. Aufzuzeigen, dass genau dies noch immer möglich ist, ein letzter Blick auf ein Zusammenleben mit der Natur, das nicht vom Menschen dominiert wird, sondern die eine Balance zwischen tierischem, pflanzlichen und menschlichen Lebens. Denn schon bald könnte auch hier anstatt der “Ancient Woods“ eine Shopping Mall stehen.

von Kevin Gremmel

THE ANCIENT WOODS läuft im Wettbewerb des 18. GoEast-Festivals in Wiesbaden.
Alle Termine finden Sie: Hier.