KISS THE COOK
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Jon Favreau ist Schauspieler. Und dreht selbst Filme. Gelegentlich schreibt er auch mal Drehbücher.
In „Chef“ hat er kurzerhand alle drei Rollen übernommen und schlüpft in die Rolle der Hauptfigur Carl Casper.

Dieser ist ein gefragter Mann und Chefkoch im Restaurant von Riva (Dustin Hoffman). Der experimentierfreudige Koch liegt immer wieder im Clinch mit seinem konservativen Vorgesetzten, wenn es um die Zusammenstellung der Menüs geht.
Er ist zufrieden mit seinem Leben, doch auch ein Tête-à-Tête mit der Kellnerin Molly (Scarlett Johansson) kann ihn nicht davon abbringen, seiner Ex-Frau Inez (Sofía Vergara) nachzutrauern.

Als der „Foodblogger“ Ramsey Michel (Oliver Platt) eine schlechte Kritik über sein Essen verfasst, kommt Carl über den gemeinsamen Sohn Percy (Emjay Anthony) zum ersten Mal mit sozialen Netzwerken in Kontakt.
Auf Twitter verfasst er eine folgenschwere Nachricht an den Blogger, die sein bisheriges Leben auf den Kopf stellen soll.
Er beschließt, einen „Foodtruck“ zu erwerben und bittet Inez’ Ex-Mann Marvin (Robert Downey Jr.) um finanzielle Unterstützung.

Im ersten Film, in dem Jon Favreau sowohl für die Regie, als auch das Drehbuch und die Hauptrolle verantwortlich zeichnet, reißt einige Themen an, ohne konsequent mit ihnen umzugehen.
So zielen die überaus flachen Gags oftmals entweder auf den korpulenten Körperbau Favreaus oder auf Kopulation ab. Spätestens wenn sich Carl Caspers Kollege Martin, gespielt von John Leguizamo, ein Baguette als Phallussymbol an die Hose hält, kommt einem kaum mehr als ein Seufzen über die Lippen.

Auftritte zahlreicher Prominenzen wie Scarlett Johansson und Robert Downey Jr. mögen dafür sorgen, dass der weniger gediegene Zuschauer trotzdem Gefallen an diesem Film findet.
Fragwürdig ist es beispielsweise, ob die Begegnung zwischen Carl Casper und dem von Downey Jr. gespielten Marvin ähnlich humorvoll vom anwesenden Publikum quittiert worden wäre, wenn nicht eben der charismatische Typ aus „Iron Man“ diese Rolle besetzen würde.

Überhaupt bleibt unklar, worauf der Film abzielt: Neben besagten Gags gibt es immer wieder eingestreute Gespräche zwischen Vater und Sohn, in denen den Schauspielern die Tränen kommen und man sich als Zuschauer fragt: Warum? Jene Gespräche wollen sich einfach nicht stimmig in die “Feel Good”-Attitüde des Films einfügen, die regelmäßig durch lebensbejahende kubanische Musik unterstrichen wird. Erzählt wird die klassische Geschichte eines Vaters, der mehr Zeit und Liebe für seinen Job aufbringt, als für den eigenen Sohn, und eine angespannte Beziehung zur Mutter des Kindes führt.

Dabei besteht ein Großteil der Laufzeit des Films aus Nahaufnahmen von Nahrungsmitteln, die höchst appetitlich in Szene gesetzt sind.
Dermaßen appetitlich, dass sich einige Kinobetreiber über steigende Einnahmen durch den Verkauf von Nachos und Popcorn freuen dürften.
Man kann anhand der gewählten Kameraperspektiven und der Kommentare der Figuren nur erahnen, welch Befriedigung sie aus dem Zubereiten von Rinds-Tatar oder einem Sandwich ziehen.

Bleibt zu hoffen, dass die dort gezeigten Lebensmittel nach den Aufnahmen nicht achtlos weggeworfen wurden.
Entsprechend dem Gestus des Films müsste man sich allerdings keine Sorgen darum machen, da Carl Casper im Zweifelsfall alles selbst gegessen hat (siehe korpulenter Körperbau. Lustig, oder?).
Er gehört offensichtlich zu einer anderen Generation. Im Laufe des Films stellt er unter anderem klar, dass er in seinem bisherigen Leben immer wusste, was er wollte, und wo die Reise hinging – ein Umstand, der auf die oft diskutierte „Generation Y“ der heutigen jungen Menschen offenbar nicht zutrifft.

Jon Favreau tritt als dicker, alter Mann auf, der das digitale Zeitalter kennenlernt und sich dieses Wissen – ungewollt oder nicht – zunutze macht. Die Zielgruppe des Films ist offenbar im Bereich internetaffiner Jugendlicher bis Mittzwanziger einzuordnen, die herzhaft über Menschen lachen können, die alles dokumentieren und regelmäßig ihre Meinung zum Besten geben.
Die laut dem offiziellen deutschen Filmplakat „[…] Feelgood Komödie des Jahres“ zeigt den, in Filmen bisher selten ergründeten, Bereich der sozialen Netzwerke sehr oberflächlich; dass der zehnjährige Sohn von Carl bereits ein Handy besitzt und ausgiebig nutzt, wird zwar zum Running Gag, in Frage stellen tut es aber keiner.

Kinostart von Kiss the Cook – So schmeckt das Leben (“Chef”) ist am 28. Mai.