Szene aus "Männerfreundschaften"
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Wer Rosa von Praunheims MÄNNERFREUNDSCHAFTEN geschaut mit Augen,
mag historische Fakten in einer fantasievollen Welt aufsaugen.
Passagen aus Gedichten, Briefen, Dramen der Weimarer Klassik werden zitiert,
und zeitgleich von kostümierten und geschminkten Darsteller_innen inszeniert.

Berge an Büchern, blühende Blumen und bildhübsche Knaben am See,
der Blick steht, hebt und senkt von der gepuderten Perücke bis zum nackten Zeh.
Sonnig blühende Settings scheinen gut gedüngt;
darüber bewegt sich die Kamera gleich schwingender Arme frisch verjüngt.

Meinungen von Wissenschaftler_innen kontrastieren.
Körper von Schauspieler_innen fusionieren.
Skulpturen, Museen und traditionelle Gemächer sind hell ausgeleuchtet,
trockene Historie wird provokativ mit queerem Sex befeuchtet.

Von Praunheim fragt, forscht und erzählt amüsant in Weimar,
dabei werden Widersprüche im Meinungsspektrum der Interviewten klar.
Crescendos rhythmischer Streicher – Höhepunkte der italienischen Stricher.
War Goethe schwul? Man ist sich nicht sicher.

Aber wieso gerade jetzt den homoerotischen Sturm und Drang der Weimarer Klassiker_innen aufklären?
Läuft dieser Versuch des nachträglichen Outings nicht Gefahr essentialistische Kategorisierungen zu vermehren?
Silence = Death, aber müßiger Biografismus und voyeuristische Anekdoten erscheinen mir nichtig.
Der Film zeigt jedoch: Diverse Formen von Liebe, Freundschaft und Zuneigung sind wichtig.

Auf dem Weg zu „von“ wird Praunheim nie schleimerisch-arrogant,
der liebevoll-schrille Stil ist durch über 90 seiner Filme bereits bekannt.
Ein schwarzes Schaf mit pinker Schleife
in einem sauberen Zeitalter allgegenwärtiger Seife.

Ich zähle Schäflein,
aber schlafe nicht ein.
Ich möchte wohl dein Publikum sein.

von Vivien Cahn