Eine Plattform für Filmkritik. Wir sind im Kino gewesen – und schreiben über das, was uns begeistert, bewegt oder gestört hat. Gegründet wurde der Blog 2014 auf dem LICHTER Filmfest im Rahmen eines hFMA-Workshops unter der Leitung von Bert Rebhandl. Betrieben wird er von Studierenden aus der Rhein-Main Region.
Drama
Nichts ungeheurer als der Mensch - "Queen Antigone" von Telémachos Alexiou

Nichts ungeheurer als der Mensch – “Queen Antigone” von Telémachos Alexiou

Auf dem Höhepunkt der griechischen Finanz- und Gesellschaftskrise zeigt Queen Antigone von Telémachos Alexiou, dass tragisches Schicksal kein Monopol antiker Tragödien ist. Sie hat keinen Namen, und die ersten Szenen des Films lang auch kein Gesicht. Das erste, in das der Zuschauer frontal blickt, gehört ihrem Vater. Leblos liegt er da, seit Jahren schon im... Weiterlesen
Ferne Nähe – James Grays "The Immigrant"

Ferne Nähe – James Grays “The Immigrant”

Die Sonne flirrt durch die geviertelten Scheiben eines staubgelben Fensters, der Blick schweift hinaus auf das Meer. Dazwischen dunkle Kreuze, lautes Schweigen und ein Spiegelbild. „Ich bin nichts“, flüstert man sich gegenseitig zu: Dass Ewa niemals wirklich Schuld war, zweifelt niemand an. Dass Bruno sein Scheitern schon immer ahnte, steht außer Frage. Wem schlussendlich vergeben... Weiterlesen
Trash mit flachen Dialogen

Trash mit flachen Dialogen

Bunte Neonfarben und aufblitzende Pop-Art-Gesichter: Schon der Vorspann von Les Coquillettes schmerzt in den Augen. Und diese sind nicht das einzige Sinnesorgan, das auf die Probe gestellt wird. Dabei scheint die Story an sich doch gar nicht so unspektakulär. Drei Freundinnen auf dem Weg zum Locarno-Filmfestival, um dort einen ihrer Filme vorzustellen, haben scheinbar bloß alle... Weiterlesen
Vergessene Geschichten

Vergessene Geschichten

Ein Junge im hohen Gras – verdreckt, bewegungslos, hungrig. Eine Nahaufnahme seines Gesichtes: leere Augen schweifen unkontrolliert und desorientiert umher. Ein paar Meter weiter versucht sein Bruder auf einem Baum winzige Vogeleier aus einem Nest zu fischen. Er fällt, die Eier in seiner Tasche zerbrechen. Beide Kinder lecken den übriggebliebenen Dotter vom Leder ab –... Weiterlesen
Karawane verlorener Kinder — Rick Ostermanns „Wolfskinder“

Karawane verlorener Kinder — Rick Ostermanns „Wolfskinder“

Hans Uwe (Levin Liam) ist kein Kind mehr, Jugendlicher oder Erwachsener aber auch noch nicht. Seine Züge sind ernst, die Strapazen des zweiten Weltkriegs und dessen Folgen stehen ihm ins verdreckte, von Schrammen überzogene Gesicht geschrieben. Um ihn herum zwitschern Vögel und zirpen die Grillen, der Wind streicht leise durchs sommergrüne Gras, über den Himmel... Weiterlesen
Das süße Leben? – "Miele" von Valeria Golino

Das süße Leben? – “Miele” von Valeria Golino

„Miele“ ist Italienisch und heißt übersetzt „Honig“. So nennt sich Irene, die junge Protagonistin des Debütfilms von Valeria Golino, der ebenfalls jenen Namen trägt. Irenes Deckname ist nötig, da sie es sich zur Aufgabe gemacht hat, todkranken Menschen ihre letzte Ruhe zu schenken. „Illegale Sterbehilfe“ heißt das in der Rechtssprache und muss deswegen vollkommen unter... Weiterlesen
Nichts bleibt vom Erfahrenen, Spuren lassen bleibt gefährlich

Nichts bleibt vom Erfahrenen, Spuren lassen bleibt gefährlich

Rick Ostermanns WOLFSKINDER– Zwischen naturgewaltigen Stimmungsbildern und der Suche nach Identität Während die Pollenflocken so unbeschwert und weiß durch eine sonnendurchflutete Lichtung fliegen und sich das hohe Gras im weiten Grün der litauischen Sumpflandschaft dem Wind neigt, schneidet ein Mädchen namens Christel unter stillen Tränen sein aschblondes Haar ab. Hans und Fritz Arendt, zwei junge... Weiterlesen
Lachen als Ausweg - Benedikt Erlingssons "Of Horses and Men"

Lachen als Ausweg – Benedikt Erlingssons “Of Horses and Men”

Neben beeindruckenden Landschaften und einer ausgeprägten Mythologie, ist Island sicher auch für seine unverwechselbaren, leicht stämmig und immer etwas zu klein wirkenden Pferde bekannt. OF HORSES AND MEN des isländischen Regisseurs Benedikt Erlingsson setzt sich mit der eigentümlichen Beziehung der Isländer zu ihren Pferden auseinander – und zeigt dabei Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen Mensch und... Weiterlesen
Hungerrudel

Hungerrudel

Wolfskinder sind immer hungrig. Fahlwangig, auf ihren Zungen die Sehnsucht nach ein paar letzten Krümeln, fünf, sechs Beeren am Wegesrand, zur Not auch Fröschen und Grashüpfern. Wolfskinder reden nicht. Wenn sie sich treffen, fragen sie nicht woher sie kommen, sondern wohin sie wollen. Ihr Leid findet keinen Weg mehr in ihre Worte. Wolfskinder gab es... Weiterlesen
Eine Melodie zum Sterben - Valeria Golinos "Miele"

Eine Melodie zum Sterben – Valeria Golinos “Miele”

Irena verbleibt regungslos, nachdem der Junge das Gift eingenommen hat. Seine Mutter verabschiedet sich unter Tränen. Es sind die letzten Minuten eines Sterbenskranken. Auch wir sind regungslos. Wir werden Zeuge einer unbeschreiblichen Traurigkeit, einer Intimität die ergreifend und verstörend ist. Für Irena ist das Tagesgeschäft. „Sie haben einen Scheißjob“ lautet der bittere Kommentar einer Angehörigen.... Weiterlesen
Lebenskreise und Todeswünsche — Valeria Golinos „Miele“

Lebenskreise und Todeswünsche — Valeria Golinos „Miele“

Hinter dem Milchglas mit seinen runden Musterungen — so sagt das erste Bild des italienischen Dramas “Miele” — da ist gerade der Tod zugegen, da schließt sich ein Lebenskreis. Der Tod ist dabei nicht unsichtbar, er ist kein Ächzen und Stöhnen und Leiden, sondern er kommt in Person der etwa dreißigjährigen Irene (Jasmine Trinca). Die... Weiterlesen
Im Island-Trab durch die Stachelzäune

Im Island-Trab durch die Stachelzäune

Pferde und Menschen, Liebe und Tod: Benedikt Erlingssons Spielfilmdebüt hat alles, was zu einem ausgereiften Drama gehört. Mit einer ordentlichen Prise Sex und schwarzem Humor kommt dazu noch ein hinterlistiges Lachen in den Zuschauerraum. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist seit jeher innig. Innig, ein bisschen kompliziert und faszinierend. „Ein Pferd, ein Pferd! Ein... Weiterlesen