Eine Plattform für Filmkritik. Wir sind im Kino gewesen – und schreiben über das, was uns begeistert, bewegt oder gestört hat. Gegründet wurde der Blog 2014 auf dem LICHTER Filmfest im Rahmen eines hFMA-Workshops unter der Leitung von Bert Rebhandl. Betrieben wird er von Studierenden aus der Rhein-Main Region.
2016
Am Ende der Revolutionen: "ALLES WAS KOMMT" von Mia Hansen-Løve

Am Ende der Revolutionen: “ALLES WAS KOMMT” von Mia Hansen-Løve

Literatur, Politik und Philosophie kennzeichnen die Welt von Nathalie Gazeau (Isabelle Huppert) – besonders letztere macht einen großen Anteil ihres Lebens aus, denn Nathalie ist Philosophie-Lehrerin in Paris. Von dem von ihr geförderten Doktoranden Fabien (Roman Kolinka) auf die Unvereinbarkeit ihrer bürgerlichen Lebensweise mit den von ihr vermittelten Lehrinhalten angesprochen, erklärt Nathalie, dass sie sich... Weiterlesen
Zusammenstoß zweier Welten: "THE ONE-EYED KING" von Marc Crehuet

Zusammenstoß zweier Welten: “THE ONE-EYED KING” von Marc Crehuet

Die schwarze Komödie THE ONE-EYED KING erzählt die Geschichte der dramatischen Begegnung zweier Paare und deren Folgen. Zwei Freundinnen haben sich seit der Schulzeit nicht mehr gesehen und beschließen, sich nach sechs Jahren zu einem gemeinsamen Abendessen mit ihren Partnern zu verabreden. Der Regisseur Marc Crehuet erschafft Szenen voller unfreiwilliger Komik, zum Beispiel, wenn die... Weiterlesen
Laterna Magica Reloaded: „I AM NOT MADAME BOVARY“ von Feng Xiaoquang

Laterna Magica Reloaded: „I AM NOT MADAME BOVARY“ von Feng Xiaoquang

Lian geht schnellen Fußes über die steinerne Brücke in der Mitte der Stadt. Grau in grau findet diese sich ein in die zur Ferne hin verblassende Landschaft, umrandet von nebelverhangenen Bergen, gesäumt von dicht wuchernden Wäldern, schmutzweißen Häuserfassaden und der steinernen Straße. Das Licht ist diffus und dämmerig. Begleitet wird diese Einstellung von treibenden, energetischen... Weiterlesen
Im Guckloch: „I AM NOT MADAME BOVARY“ von Feng Xiaoquang

Im Guckloch: „I AM NOT MADAME BOVARY“ von Feng Xiaoquang

Die junge Frau Lian wurde von ihrem Mann hintergangen. Eigentlich als trickreiches Manöver gedacht, reichten sie und ihr Mann einvernehmlich die Scheidung ein, damit sie sich eine zweite Wohnung sichern können. Scheidung mit dem Motiv einer gemeinsamen Vorteilnahme. Dummerweise heiratet Lians Mann Qin nach einem halben Jahr eine andere Frau. Das Manöver wird für Lian... Weiterlesen
Ein Statement zu Leben und Tod: "Jackson" von Maisie Crow

Ein Statement zu Leben und Tod: “Jackson” von Maisie Crow

Am Anfang von Maisie Crows JACKSON begleitet das Publikum Shannon Brewer auf ihrem Weg zur Arbeit. Diese Autofahrt ist jedoch keineswegs so langweilig und normal wie man es von anderen Arbeitswegen kennt, denn Shannon ist die Leiterin der Abtreibungsklinik im titelgebenden Jackson – die letzte in ganz Mississippi. Als sie sich mit dem Auto der... Weiterlesen
Ein Wohnzimmer für die ganze Stadt: "Sylvi's Bumerang" von Thomas Lawetzky

Ein Wohnzimmer für die ganze Stadt: “Sylvi’s Bumerang” von Thomas Lawetzky

Wohin nach der Arbeit? „Alles, was ein bisschen was im Kopf hatte und irgendetwas unternehmen wollte, ist nach Mainz gegangen, oder weiß der Kuckuck wo sonst hin, aber auf jeden Fall nicht nach Wiesbaden. Es sei denn, sie sind in den Bumerang gekommen.“ Der Andrang war teilweise gigantisch. Mehr und mehr Menschen drängten sich am... Weiterlesen
Liebe die bleibt: "ALLES WAS KOMMT" von Mia Hansen-Løve

Liebe die bleibt: “ALLES WAS KOMMT” von Mia Hansen-Løve

Man ist verliebt in Isabelle Huppert nach ALLES WAS KOMMT, wenn man es nicht vorher schon war. Dieser Film, über dem nur der Hauch einer Liebe schwebt, die nie greifbar wird, ist Poesie. Nathalie Chazeaux ist die Frau, die man selber gerne wäre. Sie erträgt alles mit einer Anmut und Würde, die schlicht verzaubert. Mia... Weiterlesen
Pseudoradikales Arthaus: "ALLES WAS KOMMT" von Mia Hansen-Løve

Pseudoradikales Arthaus: “ALLES WAS KOMMT” von Mia Hansen-Løve

Slavoj Žižek sagte einmal: “Manchmal ist Pseudoradikalismus die schlimmste Form von Konformismus; er meint eigentlich gar nichts.” In der Tragikomödie ALLES WAS KOMMT von Mia Hansen-Løve streiten sich Nathalie Chazeaux, die Hauptfigur des Filmes, und deren ehemaliger Schüler Fabien in einer Szene über den slowenischen Philosophen. Nathalie lehnt seine Ansichten ab, Fabien ist zwiegespalten, er... Weiterlesen
Die Wahrheit ist flexibel: "TRAMONTANE" von Vatche Boulghourjian

Die Wahrheit ist flexibel: “TRAMONTANE” von Vatche Boulghourjian

Wie ist das eigentlich, blind zu sein? Für einige Sekunden schließe ich meine Augen, und höre Rabih dabei zu, wie er Geige spielt. Es ist, als würde er ihr seine Probleme erzählen, und obwohl ich nicht in der Lage bin, sie zu verstehen, verstehe ich, was er in diesem Moment durch die Sprache der Musik... Weiterlesen
Auf der Jagd nach dem Leben: "VANATOARE" von Alexandra Balteanu

Auf der Jagd nach dem Leben: “VANATOARE” von Alexandra Balteanu

Es ist kalt, grau und regnerisch. Ein Wetter, bei dem man gerne den ganzen Tag im Bett verbringen würde. Die drei Frauen aus Alexandra Balteanus Film VANATOARE tun dies irgendwie auch, aber auf eine andere Weise, und sie tun dies eher in Autos, auf einsamen Rastplätzen, in wenig erbaulicher Gesellschaft. Danach heißt es wieder raus... Weiterlesen
Störgeräusche der Sexarbeit: "VANATOARE" von Alexandra Balteanu

Störgeräusche der Sexarbeit: “VANATOARE” von Alexandra Balteanu

Lautes Gurren, schlagende Flügel – über Lidias Telefonat legen sich die Störgeräusche eines Taubenschlags. Es geht um einen Brief mit Geld, der seinen Adressaten nicht erreicht hat. Eine fehlgeschlagene Kommunikation. Das Überbringen einer Botschaft ist nicht immer leicht und klappt schon gar nicht reibungslos. Auch die Arme des Geldflusses erreichen nicht jeden Winkel einer Gesellschaft... Weiterlesen
Eine universelle Geschichte von Exil und Diaspora: "Armenia" von M.A. Littler

Eine universelle Geschichte von Exil und Diaspora: “Armenia” von M.A. Littler

100 Jahre nach den Massakern am armenischen Volk nimmt uns der Schauspieler Alain Croubalian mit auf eine Reise von Basel über Marseille und Jeriwan bis in die entlegenen Bergregionen des Kaukasus. Wenig erfahren wir dabei aus seiner Familiengeschichte. Haben die Vertriebenen jegliche Erinnerung mit in ihre Gräber genommen? Alain Croubalians Urgroßvater arbeitete in Damaskus, als... Weiterlesen