Eine Plattform für Filmkritik. Wir sind im Kino gewesen – und schreiben über das, was uns begeistert, bewegt oder gestört hat. Gegründet wurde der Blog 2014 auf dem LICHTER Filmfest im Rahmen eines hFMA-Workshops unter der Leitung von Bert Rebhandl. Betrieben wird er von Studierenden aus der Rhein-Main Region.
Neuste Kritiken
Körpererfahrung im Kinosessel: Vom Unbehagen einer gefesselten Zuschauerin

Körpererfahrung im Kinosessel: Vom Unbehagen einer gefesselten Zuschauerin

Warum gehen wir heutzutage eigentlich noch ins Kino? Für mich persönlich wird diese Frage als eine rein rhetorische entlarvt, sobald ich den Kinosaal betrete und diese spezifische Magie spüre: eine mysteriöse Macht, die auf meinen vermeintlich passiven Zuschauerinnenkörper einwirkt, ihn unweigerlich aktiviert, etwas mit ihm anstellt, sodass ich mich dem Geschehen auf der Leinwand vertrauensvoll... Weiterlesen
Sinnbild der jungen Generation: "MOMENTS" von Beata Parkanová

Sinnbild der jungen Generation: “MOMENTS” von Beata Parkanová

Anežka, eine Frau Anfang 20, sitzt weinend in einem modern eingerichteten Zimmer, das von weißen Farbtönen dominiert ist. Die Psychologin ihr gegenüber wirkt in ihrem himmelblauen Kleid fast fehl am Platz. Sie fragt: „Was brauchst du, Anežka?“ Mehrere Minuten der Stille vergehen, bevor Anežka schluchzend antwortet: „Ich weiß es nicht“. Diese kurze Szene steht symbolisch... Weiterlesen
Etwas Ungreifbares fassbar machen: der kollektive Abschlussbericht des Workshop der Kritik 2019

Etwas Ungreifbares fassbar machen: der kollektive Abschlussbericht des Workshop der Kritik 2019

Ein Festival voller Höhen und Tiefen. Große Gefühle und harte Enttäuschungen. Zwischen Kippen und Kaffee, Tanzfläche und Kinosaal. Filme, die mich berührt haben, Filmgespräche, die mich zu Weißglut gebracht haben. Und ein ganz wunderbarer Workshop. Ein Fest der Kulturen. Etwas Ungreifbares fassbar machen, das stand im Mittelpunkt. Themen die als selbstverständlich gelten, sind es vielleicht... Weiterlesen
UNDERREACTING: "YOU ARE OVERREACTING" von Karina Paciorkowska (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

UNDERREACTING: “YOU ARE OVERREACTING” von Karina Paciorkowska (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

Eine gesichtslose Frau zappt durchs Fernsehen: auf jedem Kanal kommen ihr sexistische Sprüche und Bilder sexualisierter Frauen entgegen. Sie geht hinaus aus ihrer Wohnung um all dem zu entkommen, aber hört die gleichen Sprüche im Radio, auf der Straße, und sieht sie auf Plakaten. Sie kann all‘ dem nicht entkommen. In nur knapp vier Minuten... Weiterlesen
GLEICHFÖRMIGKEIT, GEZEICHNET: "A DEMONSTRATION OF BRILLIANCE IN FOUR ACTS"  von Morten Tšinakov undLucija Mrzljak (Anarcho Shorts)

GLEICHFÖRMIGKEIT, GEZEICHNET: “A DEMONSTRATION OF BRILLIANCE IN FOUR ACTS” von Morten Tšinakov undLucija Mrzljak (Anarcho Shorts)

[1] Der Ordnung zum Trotz In dieser Welt hat alles seinen Platz. Die Dinge stehen im rechten Winkel zueinander, Menschen kommen erwachsen zur Welt und werden auf ihre Nützlichkeit hin untersucht. Wenn der Strommast umzukippen droht, kommt ein Vogel geflogen, der sich zur Stabilisation auf die leichtere Seite setzt. In nahezu meditativen Wiederholungen lernen wir... Weiterlesen
Die Heilige Ramona Gottes: "ENGELCHEN" VON Helke Misselwitz (1997)

Die Heilige Ramona Gottes: “ENGELCHEN” VON Helke Misselwitz (1997)

Heilige Maria, die arme Frau. Mit diesem Gefühl verlassen wohl die meisten Zuschauer*innen das Drama ENGELCHEN von Helke Misselwitz aus dem Jahr 1997. Ramona, eine junge einsame Ostberlinerin, die in einer Lippenstiftfabrik am Fließband arbeitet, lernt durch Zufall Andrejz kennen. Ramona ist eine der wenigen Menschen, die dem Polen zuhören und sich abseits seiner illegalen... Weiterlesen
Not a Victim: "PRISONER OF SOCIETY" von Rati Tsiteladze (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

Not a Victim: “PRISONER OF SOCIETY” von Rati Tsiteladze (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

Mother, Father, Adelina, Family. Das sind die vier Kapitel des 19-minütigen Kurzfilm PRISONER OF SOCIETY. Adelina lebt abseits der Gesellschaft, ist unter Hausarrest gestellt. Ihr Vater schafft es noch nicht einmal ihren Namen zu sagen und spricht sie konsequent mit männlichem Pronomen an. Ihre Mutter hat einfach nur Angst. Regisseur Rati Tsiteladze inszeniert eine junge,... Weiterlesen
Eine schön inszenierte Melancholie: "I CAN BARELY REMEMBER THE DAY" von Leon Lučev (RHEINMAINKURZFILMPREIS)

Eine schön inszenierte Melancholie: “I CAN BARELY REMEMBER THE DAY” von Leon Lučev (RHEINMAINKURZFILMPREIS)

Manchmal tut man etwas, was einen selbst verletzt, aber dadurch anderen Mitmenschen nicht wehtut. Man versteckt seine eigenen Gefühle, um jemanden Anderen zu schützen. Die eigenen Emotionen verheimlichen, um den Anderen ein besseres Gefühl zu geben. Auch, wenn dies einen innerlich vielleicht auffrisst. Wenn du nicht mehr den Gesprächen anderer folgen kannst, weil du ganz... Weiterlesen
Von Geraden und Steinchen: "PEBBLES" von Mikhail Zheleznikov (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

Von Geraden und Steinchen: “PEBBLES” von Mikhail Zheleznikov (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

Pebbles. Kieselsteine. Früher Gesteinsbrocken, die vom Wasser immer weiter hinabgetragen werden. Die einen weiten Weg auf sich nehmen, als mächtige Felsen in größter Höhe sind sie einmal von einem Berg abgebrochen. Nun machen sie sich auf einen langen Weg hinab. Vom Regen gewaschen, von der Sonne getrocknet, vom Fluss hinab getragen und von anderen Steinen... Weiterlesen
Queer - aber bitte zum Mitschreiben. Über die nicht-heterosexuellen Filme des "RHEINMAIN KURZFILMPREIS"

Queer – aber bitte zum Mitschreiben. Über die nicht-heterosexuellen Filme des “RHEINMAIN KURZFILMPREIS”

Die in YOU ARE OVERREACTING aufgeworfene Kritik am Patriarchat und an der der Gesellschaft anerzogenen Misogynie sollte doch eigentlich inzwischen bei jedem angekommen sein. Frauen ziehen sich nicht an  – oder nicht an, um dann begrabscht und vergewaltigt zu werden. Gegen victim blaming spricht sich Karina Paciorkowskas Film ganz laut aus. Für eine Aufklärung der... Weiterlesen
Wenn das Männerblut spritzt:  Zwei Texte zu "WHY SO SIRIUS?" von Karel Šindelář (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

Wenn das Männerblut spritzt: Zwei Texte zu “WHY SO SIRIUS?” von Karel Šindelář (RHEINMAIN KURZFILMPREIS)

[1]  Einfach mal die Regeln brechen Ein Ehepaar und eine junge Frau sind in ihren Autos in entgegengesetzter Richtung auf einer einsamen Landstraße unterwegs. Am Ende fährt keiner der Wagen mehr und zwei von den Menschen sind tot. „Was ist das für eine Straße?“ fragt sich auch die Ehefrau. Eine, auf der ganz klar ein Fluch... Weiterlesen
Irgendwas mit Löffeln: drei Texte zu "MOTEL STRUGURAȘ" von Mihai Nichiforeac (Rheinmain Kurzfilmpreis)

Irgendwas mit Löffeln: drei Texte zu “MOTEL STRUGURAȘ” von Mihai Nichiforeac (Rheinmain Kurzfilmpreis)

[1]  Lirum, Larum, Löffelspiel Petrică stellt uns mit glänzenden Augen sein Zuhause vor. Er lebt in einem heruntergekommenen Motel in Moldawien. Die Geschichte seines Motels interessiert ihn kein bisschen, denn Geschichte liebt ihn genauso wenig wie er sie. Macht Sinn. Er genießt die Isolation zum Rest der Welt, schmilzt in der Sonne nach ganzen fünf Minuten... Weiterlesen